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Die Kunst in Korfu bis zum  '40 (20. Jh.) 

Gravur

Die Gravur wird in Korfu fast gleichzeitig mit der Skulptur und der Malerei entwickelt. In der Gravur, wie es scheint, sind noch einmal die Ionier diejenige, die die weltlichen Themen auferlegen und diesen Kapitel der neugriechischen Gravur öffnen. Die Möglichkeiten, die von der Schule der Schönen Künste von Prosalentis in Korfu gegeben sind, das Bestehen der privaten Schule von dem auch Korfioten Antonios Villas, der bereits für die Erteilung von Gravurkursen wirbt, schon von 1814, die zweifellose Vertrautheit  der Bevölkerung mit der Gravur, denn es bekannt ist, daß es im Zeitalter der venezianischen Herrschaft viele Rühme im Raum der Ionischen Inseln gibt und die Notwendigkeit, das  Kunstwerk berühmt zu werden, schaffen die Bedingungen für einen zugegebenermaßen feigen Anfang im 19. Jahrhundert, das jedoch das Element der Avantgarde für den griechischen Raum enthält. Die Bedürfnisse der Periode bestimmen selbstverständlich auch die Thematik der ersten weltlichen Gravuren. Werke, wie der Staat der sieben Inseln von Gerasimos Pitzamanos, die Porträts von Karaiskakis, Lord Byron und Kapodistrias, die Georgios Papageorgiou oder Kalarritiotis graviert hat, der aus Epirus stammte und betont, dass er in Korfu studierte, was er neben seiner Unterschrift berichtet, die Figur seines Kunstlehrers, Pavlos Prosalentis, von Ioannis-Vaptistis Kalosgouros graviert, geben die Angelpunkte der thematischen Recherchen durch symbolische Darstellungen und Figuren, die mit dem nationalen Befreiungskampf verbunden sind. Dennoch verbleiben die Bemühungen im Gravurbereich relativ fragmentarisch, egal wie wichtig sie sind. Der Rückgang, der in der Mitte des Jahrhunderts zu beobachten ist, ist nicht nur vorübergehend, aber führt auch zur Koexistenz drei führender Figuren der neugriechischen Gravur.  
Mit der Dreiergruppe der in den letzten 20 Jahren des 19. Jahrhunderts kommenden Schöpfer, Zavitsianos 1884, Kogevinas 1887 und Ventouras 1899 haben wir die Spitzenperiode der Gravur in den Ionischen Inseln. Die Breite ihrer Recherchen und die Qualität der Formulierungen kennzeichnen nicht einfach die Kunst in Korfu, sondern den gesamten Verlauf der neugriechischen Gravur. Der Zufall des Aufenthalts in Korfu genau in dieser Periode, in der die künstlerische Schöpfung der zwei Ersten anfängt, der zwei Führer der neugriechischen Kunst, Konstantinos Parthenis und Dimitrios Galanis, spielt ohne Zweifel auch seine Rolle. Die "Clique der Neun"1,  die in der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts aktiv wird, schafft das neue Klima für intellektuelle und künstlerische Recherchen und gibt die Funken für wirklich avantgardistischen Recherchen so im Bereich der Formgestaltung wie auch im technischen Bereich. 
 In diesem Klima wird der Älteste der drei, Markos Zavitsianos (1884-1923), von den sozialistischen Ideen erfüllt, die er während seines Aufenthalts in München und von seinem Kontakt mit Kostas Hatzopoulos gewusst hatte, richtet er sich nach einer Kunst, die als Bezugspunkt einerseits einen Realismus mit deutlicher Erweiterung der Sozialkritik hatte, andererseits den Wille, ein Werk zu geben, das in den breiten Schichten adressiert würde. Diese Möglichkeit wird ihm mit der Illustration der Bücher von Konstantinos Theotokis gegeben. Er freut sich auf die Veröffentlichung der „Ehre und Geld“ während seinens Lebens, während seine anderen Illustrationen über den "Vermögen der Damen-Korfu", die "Kurzgeschichten", "Korfiotischen Geschichten“ von Theotokis sowie für den „Schatten des Feigebaums“ von Petros Vlastos nach seinem Tod und mit einer Menge Schwierigkeiten bezogen auf die Gleichsetzung der Werke mit den Texten veröffentlicht werden. Die Technik, die er bevorzugt, ist der Kupferstich, der ihm die Möglichkeit gitb, die illustrierte Texte mit der Kraft des Zeichnens und dem Aufschreiben der Einzelheiten –die er für wesentlich hält- einzuprägen.
Lykourgos Kogevinas (1887-1940), der Zweite der Dreiergruppe der Korfioten Graveuren, auch Mitglied der "Clique der Neun", fängt von einer unterschiedlichen Anfangszeile an. Bezaubert durch die Eroberungen der französischen Landschaftsmalerei, mit der er während seines Aufenthaltes in Paris in Kontakt kommt, richtet er sich nach der Wiedergabe der Denkmäler und der Landschaften des griechischen Raums. Er veröffentlicht eine Menge Alben mit Gravuren, unter ihnen die "Klöster vom Heiligen Berg Athos", die "Landschaften des antiken Griechenlands", "Byzantinisches und Fränkisches Griechenland", "Korfu" und die "griechischen Schiffe des Kampfes", in denen sein ganzer Verlauf in der Gravur und sein besonderes Interesse für die Landschaftsmalerei dargestellt wird. Er bevorzugt auch die Technik des Kupferstiches, die ihm zulässt, die Zeichnungselemente seines Werks und die erzählerische Kraft der Abbildung sichtbar zu machen.  
Der Jüngste der drei, Nikolaos Ventouras (1899-1990), der "Einsiedler von Korfu", wie er benannt wurde, wandelt seine Gravurtechnik in einem internen Erlebnis und Traum um.  Ventouras, dieser Autodidakt der Gravur, in Korfu isoliert und seiner künstlerischen Kreation gewidmet, ist derjenige, der die wagemutigste Schritte macht. Als Ausgangspunkt hat er die optische Wirklichkeit, aber nie wird er in ihrer einfachen Aufnahme begrenzt. Er erlebt die Darstellung, sucht nach ihrer internen Harmonie, stellt seinen Traum wieder her. Er beginnt von den üblichsten Themen, hauptsächlich Schiffe, Stadtecken von Korfu und Landschaften des Freiens, um sie in Bildern für ihre poetischen Stimme bekannt umzuwandeln, während er häufig kubistischen Formen auf eine offenbar persönliche Weise benutzt.  


1Mitglieder der Clique der Neun waren Konstantinos Theotokis, Markos Zavitsianos, Lykourgos Kogevinas, Nikos Leftheriotis, Kostas Hatzopoulos, Irini Dendrinou, Lambros Porfyras, Petros Stamatopoulos und Antonis Mousouris.

Malerei

Viele der Künstler, die ihren kreativen Verlauf während des 19 Jahrhunderts  anfangen, setzen auch in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts fort, wichtige Werke zu schaffen. Giallinas,  Bokatsiabis, Samartzis fahren fort, wichtige Werke zu produzieren, die in hohem Grade die Künstler beeinflußt haben, die in die Welt die letzten Jahre des 19.  und   die ersten des 20. Jh.  kommen. Andreas Vranas (1860-1933), Markos Pierris (1865-1954), Spiridon Pizanis (1870-1927), Eleni Prosalenti   (1870-1910), Olga  Prosalenti - Papadimaki (1870-1930), Stefanos Stratigos (1876-1944), Nensi Kapodistria (1881-1965), Stefanos Trivolis (1883-1944), Stefanos Bulgaris (1890-1953), Maria Desylla Lavranou (1893-1987), Aggeliki Pana (1897-1969), Ten Florias (1897-1969), Aglaia Papa (1903-1984), Philippos Makotsis (1911-1985), Nikos Zervos (1901-1988) und Aggelos Kontis (1912-2005) sind nur einige von den Künstlern, die die  kreative Tradition des vergangenen Jahrhunderts fortsetzen.  
Mit einem breiten Kreis thematischer Interessen findet Vranas sich selbst am besten in den religiösen Darstellungen, im Porträt und in der Landschaftsmalerei. Es ist leicht festzustellen, daß der Künstler sich in seinen religiösen Kompositionen im Klima der malerischen Formulierungen bewegt, die in den Ionischen Inseln schon vom 18. Jahrhundert mit der Annexion und der Anwendung der westlichen Muster herrscht. Im Gegensatz dazu hat der realistische formprägende Wortschatz  in seinen Porträts die entscheidende Rolle. Unzweifelhaft ist die thematische Region, für die sich Vranas am meisten interessiert, die Landschaftsmalerei und zwar mit der Technik des Aquarells gearbeitet. Im Klima der Tradition von Bokatsiabis, Giallinas und Skarvelis fügt auch Vranas seinen eigenen Beitrag hinzu, besonders mit einer echt persönlichen und poetischen Deutung des natürlichen Raumes und der Landschaften seiner Heimat.   
Die Korfioten Aquarellmaler setzen die Tradition des vergangenen Jahrhunderts fort, indem sie häufig ihre Ausdrucksmittel erneuern.  Einige sprechen eher mit einer traditionellen Sprache, einige verbreiten sich in neuen Regionen, nehmen neue Elemente auf, sie streben, über der Malerei ihrer Kunstlehrer hinauszugehen.  Unter den Ersten, Künstler wie Spiridon Pizanis und das Stefanos Trivolis, sind besonders für eine Landschaftsmalerei interessiert, die auf realistischem Wortschatz und auf der Untersuchung des Lichtes basiert.   
Derjenige, der mit wagemütigen Schritten in einer neuen Sprache vorrückt, auf einem  eher expressionistischen Eigentümlichkeit basiert, ist Aggelos Kontis. Der chromatische Reichtum der Werke von Kontis und der echt rhythmische Charakter des chromatischen Wachstums kennzeichnen ein erstaunliches Werk, das die neuen Richtungen in der korfiotischen Landschaftsmalerei gibt. Über der realistischen ausführlichen Beschreibung  hinausgehend, Kontis schafft es, die besondere Raumphysiognomie zu begreifen und diese mit oft antirealistischer Farbe in der malerischen Oberfläche zu übersetzen. Auf diese Weise gibt der Künstler mit der Farbe als organisatorischer Kraft und Ausdrucksmöglichkeit einige  der schönsten Werke der korfiotischen Landschaftsmalerei.  
Treu an der Landschaftsmalerei bleibt auch Nikos Zervos mit einer Malerei ländlicher Tendenzen, die Elemente hauptsächlich von der französischen Tradition enthält. Ohne der Technik des Aquarells  beizutreten und indem er hauptsächlich mit  Öl arbeitet, integriert Zervos Elemente der impressionistischen Tradition und gerät in einer Lyrikeigenschaft, die das Licht in der malerischen Oberfläche verherrlicht.   
Mit Ten Florias haben wir einen Künstler, der seinen Aufenthalt in Frankreich ausnutzt, um alle bahnbrechenden Trends anfangs des Jahrhunderts kennenzulernen und ihre Elemente mit persönlicher Weise in seinem Werk zu übertragen. Seine Kreation ist im engen Kontakt zuerst mit den nachimpressionistischen Tendenzen und später mit dem Kubismus, Phobismus und Expressionismus. Von den Ersten findet er die Anfangszeilen für seine landschaftsmalerischen Bemühungen. Er wird Formen von den modernen Bewegungen in seinen Akten und in seinen anderen Kompositionen verwenden, indem er  in einer Kombination kubistischer Themen und reicher Farbe fortfährt, die besondere Kraft in seinen Werken hinzufügt.  
Künstlerin, die allmählich in abstraktiven Formulierungen überschreitet, ist auch Aglaia Papa, die sich besonders auch mit dem Porträt beschäftigte. Im Letzten hat die Künstlerin die Möglichkeit, über der Außenbeschreibung hinauszugehen und  die besonderen Eigenschaften der Formen zu ermitteln, deren das Porträt sie schafft. Sie entfernt sich von der dunklen Palette der ionischen Schöpfer der Vergangenheit und gibt Werke, die für ihre Ausdruckstatkraft bemerkenswert sind. In ihren restlichen Themen, nachdem Papa vom Realismus anfängt, findet sie schnell ihren Weg zur Abstraktion. In den Richtung der abstrakten Landschaftsmalerei verbleibend, erreicht die Malerin Resultaten, die für ihren chromatischen Reichtum, ihre synthetische Kraft und ihren internen Rythmus gekennzeichnet sind.  

Skulptur

Die Skulptur in Korfu führt am Anfang des 20. Jahrhunderts die Phase ihres grössten Verfalls. Evangelos Kallos sowie bestimmte Mitglieder seiner Familie setzen die drei ersten Dekaden des Jahrhunderts fort, sporadisch Skulpturen hauptsächlich im Friedhofsraum zu schaffen. Es ist auf jeden Fall charakteristisch, daß die Totendekmäler der Periode nicht die Pracht der Vergangenheit haben. Sie werden in der Quantität begrenzt, während auch die Themen, die sie darstellen, meistens zu standardisierten Bemühungen mit dekorativem oder symbolischem Charakter geraten. Die Wirtschaftskrise der Periode wird in der Skulptur reflektiert, da die Herstellungskosten der Werke häufig für die Mittelschichten finanziell verboten sind. Die Skulptur, die Korfu die ersten Schöpfer der neugriechischen Kunst gegeben hatte, scheint , daß sie nicht mehr das Potential hat, das sie dienen wird und den Durchgang in der Zeit fortsetzen wird. Die geringen Skulptoren, die aus Korfu stammen, öffnen keine Labors hier, noch lassen sie sich in ihren Heimaten nieder. Sie bevorzugen Athen für ihr Studium und danach bleiben dort mit der Erwartung von mehreren Bestellungen.  
 Abgesehen von Evangelos und Iraklis Kallos wird auch Ioannis Kostagiolas in  der Friedhofsskulptur aktiviert, der einige Totendenkmäler in den Kirchhöfen von Korfu gibt, die jedoch nicht schaffen, den etablierten Formen der Vergangenheit zu entgehen. Sie bleiben in Formen, die bis zum Überdruss in den vergangenen Dekaden gegeben worden sind, wiederholen übliche Themen, sind hauptsächlich für ihre Redekunst gekennzeichnet.  
In den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts werden jedoch, wie im vergangenen Jahrhundert, staatliche Skulpturen aufgestellt, hauptsächlich Ehrenbüsten, in den Räumen der Korfustadt, Werke der Athener Labors. Es wird nämlich das Phänomen beobachtet, die Bestellungen sich auch an anderen Zentren zu wenden, die den Bedürfnissen der lokalen Gesellschaft dienen können, die das lokale Potential nicht umfaßt. Genau in dieser Periode werden in Korfu, abgesehen von den Büsten von Nikolaos Halikiopoulos-Mantzaros und Petros Vrailas-Armenis, die Werke von Evangelos Kallos sind, auch die Büsten von Lorentzos Mavilis , die Petros Roumbos schafft, die Büste von Nikolaos Mantzaros, Werk von Michael Tombros, die Statue von Georgios Theotokis, Werk von Georgios Dimitriadis dem Athener und das Heroon der Kriegstoten von Vasos Falireas aufgestellt.  
In den meisten Fällen befinden sich die vorgenannten Werke im Rahmen der klassizistischen Formulierungen. Die Statue von Georgios Theotokis, auf hohem Sockel gelegt, betont den Abstand vom Zuschauer und versucht die idealistische Prägung der Form, während er getreu den klassizistischen ikonographischen Mustern folgt. In der gleichen Richtung ist auch die Büste von Lorentzos Mavilis, die eine der schönsten Bemühungen der klassizistischen Tendenzen der neugriechischen Skulptur ist. Die gleichen Merkmäle haben wir auch im Heroon der Kriegstoten, in dem als zentrales Thema ein Soldat abgebildet ist, der Gewehr hält und  komplementär wird eine Reihe von symbolischen Themen gegeben, wie das der Öllampe und des Lorbeerkranzes.   
Mit der Büste von Nikolaos Mantzaros, Werk des Michael Tombros haben wir im Gegensatz die neue Orientierungen der neugriechischen Skulptur und den Durchgang im Realismus mit der Wende im Versuch von Katalogisierung des Realen und der Übertragung vom Auswärtigen zum Inneren. Mit der getreuen Wiedergabe der Physiognomie-Eigenschaften der Form erzielt der Künstler, den inneren Charakter des Abgebildeten freizugeben und das auf dem weissen, kalten Marmor gehaute Bild mit dem Zuschauer zu versöhnen.